Studie zu Mikroplastik im Rhein

17.12.2015 - Roman Lehner

In einer neuen Studie welche am 8. Dezember 2015 publiziert wurde haben Forscher der Universität Basel zum ersten Mal überhaupt einen Fluss auf seiner ganzen Länge auf Mikroplastik untersucht. Der Rhein ist einer der größten europäischen Flüsse mit Quelle in der Schweiz und endet in der Nordsee, welche stark von Mikroplastik verschmutzt ist, über das Rhein-Maas Delta in der Nähe von Rotterdam. An den Rhein grenzen sechs Länder, fünfzig Millionen Menschen bewohnen das Einzugsgebiet und 10% der weltweiten Chemieindustrie ist dort angesiedelt.
 
Die Wissenschaftler haben zwischen Basel und Rotterdam, über eine Strecke von 820km, an elf Positionen 31 Wasserproben dem Rhein entnommen und erstmals die Menge und Zusammensetzung des Mikroplastiks an der Wasseroberfläche analysiert. Die Untersuchungen erfolgten mit Hilfe eines „Manta Trawls“ mit einer Netzmaschengrösse von 0.3mm.
 
Mikroplastik wurde in allen Wasserproben gefunden. Die 31 Proben ergaben einen Durchschnittswert von 892'777 Mikroplastikpartikel pro Quadratkilometer. Die Studie zeigt einen klaren Anstieg der durchschnittlichen Konzentration entlang des Rheins auf, mit einem Tiefstwert von 202'900 Partikel (Basel – Mainz), einem Mittelwert von 714'053 Partikel (Bad Honnef, Köln-Porz, Leverkusen) und dem Höchstwert von 2'333'665 Partikeln (Rhein-Ruhr-Region). Der absolute Höchstwert von 3.9 Mio. Partikeln pro Quadratkilometer wurde in einer einzelnen Probe im Ort Rees gemessen.
        
Meßstellen, Zusammensetzung und Anzahl Mikroplastikpartikel (Grösse 300mm – 5mm) pro 1000 Kubikmeter. Bild übernommen von Mani et al. 2015
Die gefundenen Mikroplastikpartikel konnten in verschiedene Kategorien, lichtundurchlässige Kügelchen (45,2%), Fragmente (37,5%), transparente Kügelchen (13,2%), Fasern (2,5%) und andere (1,1%) unterteilt werden. Laut den Forschenden machten Kügelchen insgesamt fast 60% des gefunden Mikroplastiks aus, wobei diese z.B. in der Kunststoffindustrie als Rohstoff, oder als Abrasive in kosmetischen Produkten und Industriereinigern eingesetzt werden. Mikroplastikfragmente und Fasern entstehen durch Fragmentierung oder Abrieb und Verwitterung von größeren Kunststoffteilen.
Die 118 Proben, welche analysiert wurden bestanden aus 29,7% Polystyrol, 16,9% Polypropylen, 13,6% andere Plastikarten, 9,3% Acrylat, 5,1% Polyester und 1,7 % Polyvinylchlorid. Nach Angaben der Forscher korreliere der hohe Anteil an gefundenem Polystyrol mit der in unmittelbarer nähe gelegenen hohen Dichte der Kunststoffindustrie und den Kläranlagen, welche deren Abwasser reinigen. Weiter erklären die Forscher, dass es bei den gefundenen Fasern sehr unwahrscheinlich sei, dass diese von Kleidern stammen. Kleider bestehen meistens aus Polyester oder Acrylfasern, 68.4% der hier gefundenen Fasern bestanden jedoch aus Polypropylen.
 
Die gemessenen Mikroplastikkonzentrationen im Rhein sind viel höher als die bis anhin weltweit gemessenen Konzentrationen in Flüssen und Seen. Im Vergleich dazu die im Sommer publizierten Ergebnissen des Genfersees und des Lago Maggiore in welchen die Höchstwerte von 220'000 Partikel pro Quadratkilometer gefunden wurden. Wird von der mittleren Mikroplastik-Konzentration der Probenahme in Rees ausgegangen, trägt der Rhein an seiner Oberfläche täglich eine Fracht von mehr als 191,6 Millionen Mikroplastikpartikeln in Richtung Nordsee.
 
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse eine erhebliche Verschmutzung des Rheins mit Mikroplastik, im speziellen durch extrem hohe Konzentration von Plastikkügelchen und der damit verbundenen Verschmutzung der Nordsee. Die Forscher unterstreichen zudem die Notwendigkeit von weiteren wissenschaftlichen Studien um die Verschmutzung durch Mikroplastik     
 

Referenz Mani et al. 2015 „ Microplastics profile along the Rhine River.“ Scientific Reports